So prüfen Sie die Batterie beim gebrauchten Elektroauto

Veröffentlicht: 07.07.2026 Zuletzt überarbeitet: 08.07.2026 Lesezeit: 4 min.

Ein gebrauchtes Elektroauto steht zum halben Neupreis beim Händler. Verlockend. Über einen guten oder einen teuren Kauf entscheidet aber eine einzige Frage. Wie fit ist die Batterie noch? Sie ist das mit Abstand teuerste Bauteil. Wir zeigen, woran Sie eine gesunde Antriebsbatterie erkennen und wie Sie den Zustand vor dem Kauf schwarz auf weiß bekommen.

Warum die Batterie über den Wert entscheidet

Bei einem Verbrenner schauen Sie auf Motor und Getriebe. Beim Stromer zählt vor allem die Batterie. Sie kostet im Ersatzfall schnell fünfstellig. Ein kompletter Akku liegt je nach Modell bei rund 20.000 Euro, bei großen Premium-Batterien auch darüber.

Meist wird zwar nicht der ganze Akku getauscht, sondern nur ein einzelnes Modul. Trotzdem bleibt die Rechnung einfach. Ist die Batterie schwach, ist das Auto wenig wert. Ist sie gesund, haben Sie ein gutes Geschäft gemacht. Genau deshalb lohnt sich der genaue Blick, bevor Sie unterschreiben.

Was sagt der SoH-Wert aus?

SoH steht für State of Health, den Gesundheitszustand der Batterie. Der Wert zeigt in Prozent, wie viel der ursprünglichen Kapazität noch übrig ist. Ein neuer Akku hat 100 Prozent. Als solide gilt eine Batterie ab etwa 80 Prozent.

Wichtig ist die Marke von 70 Prozent. Bis dahin reicht bei den meisten Herstellern die Garantie, dazu gleich mehr. Erst deutlich darunter wird es kritisch. Zur groben Orientierung: Nach 100.000 Kilometern liegen die meisten Akkus noch bei 85 bis 90 Prozent.

Wie schnell altert ein Akku wirklich?

Hier hält sich ein hartnäckiger Mythos. Viele fürchten, die Batterie sei nach wenigen Jahren hinüber. Die Praxis sagt etwas anderes. Eine große Flottenauswertung des Telematik-Anbieters Geotab mit fast 5.000 Fahrzeugen kam 2024 auf durchschnittlich 1,8 Prozent Kapazitätsverlust pro Jahr. Die besten Modelle verloren nur ein Prozent im Jahr.

Ein Beispiel aus dem Alltag zeigt das noch deutlicher. Der ADAC fährt einen VW ID.3 im Dauertest. Nach über 160.000 Kilometern und vier Jahren lag der SoH noch bei 91 Prozent, trotz häufigem Schnellladen und vollem Laden. Ein Tesla Model 3 verliert laut Herstellerdaten selbst nach gewaltigen 300.000 Kilometern nur rund 15 Prozent, ein BMW i3 hatte nach fünf Jahren noch 86 Prozent. Die Batterie überlebt in aller Regel das Auto.

So prüfen Sie die Batterie vor dem Kauf

Verlassen Sie sich nicht allein auf den Wert, den das Auto selbst anzeigt. Diese Anzeige stammt vom Batteriemanagement des Herstellers und kann vom echten Zustand abweichen. Ein unabhängiger Test misst objektiv.

Am bekanntesten ist das Batteriezertifikat von Aviloo. Für rund 100 Euro stecken Sie eine kleine Box an die Diagnosebuchse, fahren den Akku über einige Tage schrittweise leer und erhalten ein Zertifikat mit dem echten SoH-Wert. Es gibt auch einen Schnelltest in wenigen Minuten, den viele Werkstätten und Prüforganisationen wie ADAC, GTÜ oder TÜV anbieten. Einen ersten groben Eindruck liefert oft schon die Hersteller-App oder das Bordmenü, kostenlos.

Unser Rat aus der Praxis: Bei einem teuren Stromer ist so ein Zertifikat gut angelegtes Geld. Es kostet wenig und schützt vor einer bösen Überraschung, die schnell fünfstellig wird.

Was die Herstellergarantie abdeckt

Fast alle Hersteller geben auf die Antriebsbatterie eine eigene Garantie, unabhängig von der normalen Neuwagengarantie. Standard sind acht Jahre oder 160.000 Kilometer, je nachdem was zuerst eintritt. Garantiert wird dabei eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent. Fällt der Akku vorher darunter, bessert der Hersteller auf eigene Kosten nach.

Für Sie als Gebrauchtwagen-Käufer ist das die gute Nachricht. Diese Garantie hängt am Fahrzeug und läuft für Sie weiter. Voraussetzung ist meist eine lückenlose, vorgeschriebene Wartung, lassen Sie sich also das Serviceheft zeigen. Wie lange ein Stromer außerdem von der Steuer befreit bleibt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Kfz-Steuer für Elektroautos.

Womit Sie den Akku schonen

Ein gesunder Akku ist auch eine Frage der Behandlung. Wer sein E-Auto pflegt, hält den Wert. Drei Gewohnheiten helfen wirklich.

  • Im Alltag zwischen etwa 20 und 80 Prozent laden statt ständig randvoll.
  • Schnellladen an der Autobahn sparsam einsetzen und zu Hause lieber langsam laden.
  • Große Hitze meiden und das Auto bei längerer Standzeit mit halb vollem Akku abstellen.

Das kostet nichts und zahlt sich beim späteren Verkauf aus. Ein Akku, der gut behandelt wurde, bringt schlicht mehr.

Wie wir gebrauchte Stromer prüfen

Bevor ein Elektroauto bei uns auf den Hof kommt, nehmen wir es genau unter die Lupe. Dazu gehört das Auslesen des Batteriezustands, ein Blick in die Servicehistorie und der Check der verbleibenden Garantie. So wissen Sie schon vor dem Kauf, woran Sie sind.

Welche Stromer gerade bereitstehen, sehen Sie in unserem Fahrzeugbestand. Fragen rund um die Garantie klärt unser Team im persönlichen Gespräch. Und wer ohnehin auf einen Stromer umsteigt, wirft am besten einen Blick auf die aktuelle E-Auto-Förderung.

Artikel die Sie auch interessieren könnten